Tatacoa – Kolumbiens kleine Wüste

Es gibt Meermenschen. Solche, die gern auf die See schauen, auf die grau-blauen Wogen und die weiße Gischt. Da ist das Rauschen, das nie aufhört und uns einzulullen vermag. Gepaart mit dem Licht am Meer und dem sandigem Fußpeeling, ist das Meer Wellnessoase und Ruheraum zugleich. Der Geruch von Salz und Seetang erinnert an Urlaube in der Kindheit. Das Meer hat etwas wunderbar Tröstendes. An ihm haben wir gespielt, gelacht, Wein getrunken, sind gerannt und haben nachgedacht.

Vor Kurzem habe ich einen neuen Ort entdeckt, der mich befriedet wie das Meer: Die Wüste. Von den Hochebenen Bogotás waren wir auf unserem roten Feuerstuhl die kurvenreiche Landstraße ins Tal gesaust, stundenlang. Dann schlug uns warme Luft entgegen, Hitze. Wir stoppten, rissen uns ein paar Schichten Kleider vom Leib, tranken hastig den kalten Joghurt, den wir dabei hatten und der nun warm werden wollte, bald gären würde. Wir waren jetzt wieder in den Subtropen, auf dem Weg Richtung Tatacoa Wüste.

Es musste so um die 38 Grad gewesen sein. Die Luft war warm wie die eines Föns und der Boden staubig und sandig. Die Sonne neigte sich schon langsam und golden zur Erde als wir endlich die Wüstenlandschaften, die Ausläufer der relativ kleinen Tatacoa erreichten. Mit rund 330 Quadratkilometern ist dieses Wüstchen die zweitgrößte Wüste Kolumbiens, nach der trockenen Guajira-Halbinsel im Nordosten des Landes.

Vielleicht wächst sie ja noch, die Tatacoa? Vermutlich. Denn jedes Jahr bringt weniger Niederschlag an diesen kargen Ort nur drei Grad nördlich des Äquators. Und so wird er vielleicht doch bald eine richtige Wüste. Aktuell fällt die Tatacoa nämlich offiziell noch unter die Trockenwälder, ein Ökosystem, das saisonal Niederschläge verzeichnet – auch wenn es sich hierbei nur um ein paar Tropfen handeln dürfte, die bereits verdampft sind bevor sie den staubigen Grund erreichen.

Der Boden war hier so trocken und sandig, dass unser Motorrad einmal auf gerader Strecke ins Schliddern geriet und wir laut kreischten. Von da an ging es langsamer voran. Nach Einbruch der Dunkelheit erreichten wir endlich Villavieja, ein unspektakuläres Nest am Eingang zur Wüste. Hier suchten wir ein billiges Hotel mit einem Pool, welcher eher einem Planschbecken glich, und fanden dort unsere Seligkeit im kühlen Nass nach einem langen Tag auf dem Motorrad.

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Noch vor Sonnenaufgang begannen wir am nächsten Morgen unseren Fußmarsch in die Wüste, in die “rote” Wüste. Denn die Tatacoa besteht aus zwei Zonen: die rot-ockerfarbene Cuzco und die graue Los Hoyos. Zwischen hohen Säulen, Falten und Spalten, Kakteenwäldchen und endlosen Wellengängen waren wir verzaubert vom warmen Licht der ersten Stunden, dass die Wüste rot strahlen lässt. Kleine blühende Kakteen tummelten sich und große schlanke ragten in den Himmel. Ein paar kleine Falken machten Jagd auf Insekten.

Pünktlich bevor die Touristenbusse und Selfiestäbe anrollten, saßen wir wieder im Motorradsattel und fuhren weiter nach Los Hoyos, um den grauen weniger berühmten aber ebenso interessanten Teil der Wüste zu erkunden.

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Wüsten haben etwas wunderbar Aufgeräumtes, Klares, Minimalistisches an sich. In ihre leeren Weiten zu blicken, die kargen Felshänge und den Horizont zu sehen, ist genug um unaufgeräumte Menschen zur Ruhe zu ermahnen. Und die Kakteen erinnern uns daran, dass man auch im Ödland blühen kann, wenn man nur widerstandsfähig ist.

Categories Postkarten

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